Nachdenken

Was wichtig ist

Martin von Gerlach, ein Pastor, der eine diakonische Einrichtung leitete, schrieb im Jahr 1904 über die “Gefahr der Überlastung”: “Mit Kirchenbann soll belegt sein: Wer eine Kasse selbst führt, Wer die Nacht zum Tag macht, Wer nicht mehr mit seinen Kindern spielt, Wer aus Zeitgeist nicht mehr an die See oder in die Berge will, Wer sich für unentbehrlich hält, Wer sich keine Stellvertreter erzieht, Wer sich immer gleich ärgert, Wer kleinlich wird, Wer kaum noch zu sprechen ist, Wer bei allem dabei sein will, Wer sich aus Ehrgeiz etwas auflädt. Wer nichts abgeben mag, …” Den “Kirchenbann” hat Pastor Gerlach in diesem Zusammenhang sicher schon vor einem Jahrhundert mit viel Augenzwinkern verstanden. Seine Anregungen können uns auch heute gut begleiten: Was tut uns gut? Was kann ich lassen? Nach dem aufregenden und aufreibenden Beginn dieses Jahres wünsche ich uns allen Zeit und Mut zur heilsamen Besinnung. Ich grüße Sie herzlich, Ihr Eckart Warner
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Dem Unverfügbaren begegnen

Der Sommer liegt uns vor den Füßen und ein langes, beeindruckendes, auch bedrücktes, Frühjahr hinter uns. Manche Möglichkeiten gibt es jetzt wieder für die Kinder in Kita und Schule, die Erwachsenen auf Arbeit, die Familienangehörigen, die sich wieder besuchen dürfen. Auch das Gemeindeleben wird langsam wieder aktiver. Doch manches, was lange schon geplant war, musste ausfallen. Manches, was vielleicht jetzt wieder möglich wäre, konnte nicht vorbereitet werden und fällt dennoch aus. So tasten wir uns voran. Und so kommt der Sommer. Und für viele die Urlaubszeit und Reisezeit. Auch hier heißt es in diesem Jahr vielleicht noch viel mehr als sonst, sich dem Unverfügbaren auszusetzen. Wenn die Urlaubspläne neu angepasst sind, die Reiserouten erneuert, die Fahrzeuge durchgesehen sind: wir werden zu Abrahams Kindern und gehen los. Wir brechen aus dem Alltag auf in die Welt. Wir setzen uns, bei aller Planung, der Unvorhersehbarkeit des Weges aus und der Fremdheit dessen, was vor uns liegt. „Reisende wissen, was Fremdheit heißt. Sie gehen in eine fremde Welt hinein und erleben sich darin als Fremde“, schreibt der katholische Theologe Thomas Meurer. Und weiter:…
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Sich berühren lassen

Ostern ohne Anfassen, mit Abstand. Das hat es noch nicht gegeben. Und auch in den nächsten Wochen bleiben viele Unsicherheiten. Können wir wieder Gottesdienste feiern? Wann werden wir uns in den verschiedenen Gruppen sehen? Alle Termine sind unter Vorbehalt. Im Evangelium nach Johannes wird erzählt: Maria Magdalena ist die erste am Grab und stellt fest, dass Jesus weg ist. Kurz darauf sieht sie ihn dann. Er spricht sie vertraulich an mit ihrem Namen, erst da erkennt sie den Auferstandenen. Er sagt: Berühre mich nicht. So hat es Martin Luther übersetzt: Rühr mich nicht an. Treffender wäre: Halt mich nicht fest. Ich muss noch weiter, damit ich für alle da sein kann. Eine Freundin schrieb in diesen Tagen: „Und hier dämmert mir was. Nur das ‚nicht-weitermachen-wie-vorher, z.B. sich vertrauensvoll zu begegnen, sich zu umarmen zur Begrüßung, soll und kann die Erlösung bringen. Ich finde mich wieder in der Maria Magdalena, die unbedingt einen geliebten Freund berühren will.“ Abstand halten ist für viele schwer auszuhalten, besonders ohne Berührung zu leben. „Deshalb braucht es Trost. Und es kann nur helfen, daran zu glauben,…
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Verbunden bleiben

Diese Fastenzeit ist anders. Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Wir feiern keine gemeinsamen Gottesdienste, haben viel weniger persönliche Kontakte. Wir versuchen, mit diesem Zustand zurecht zu kommen.  Äußerlich haben wir es so langsam heraus, auf die Hygiene zugunsten aller zu achten: Händewaschen, keine Körperkontakt, Abstand. Doch innerlich sind wir aufgewühlt. Wie steht es mit unserer inneren Hygiene? Wir haben in diesem Jahr viel mehr Zeit dazu als in anderen Jahren vor Ostern. Vielleicht liegt darin auch eine Chance. Besinnen wir uns auf das, was für uns wesentlich ist. Hier finden Sie Hinweise für Andachten im Internet: Tägliche Radioandacht vom mdr Täglicher Impuls mit der AndachstsApp Ideen für eigene Andachten und Hinweise auf Gottesdienste im Internet oder Radio Lesungen und Texte zu den Sonntagen im Kirchenjahr Wenn Sie Zuhause eine Andacht feiern möchten, gibt es einen Vorschlag auf dieser Seite unter Aktuelles – Verbunden bleiben.
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Vorbereitung auf Ostern

Kilometerzähler und Tankanzeige erinnern mich – also fahre ich von der Straße ab. „Full Service“ lädt mich hier das Schild ein. Den freundlichen Mitarbeiter grüße ich und bitte „einmal voll tanken.“ Die Scheiben werden auch blank geputzt, der Vorrat an Getränken aufgefüllt. Nach einer erholsamen Pause kann die Fahrt weiter gehen. Was beim Auto fahren selbstverständlich ist, rückt in unserem Leben immer wieder mal in den Hintergrund. Die Herausforderungen bei der Arbeit nehmen oft viel Zeit und Kraft in Anspruch. Wir sind eingespannt in den Alltag mit den Besorgungen für das Leben in Wohnung und in der Familie, wo viele kleine Dinge unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken. Dann passiert es: Wir achten weniger auf die Anzeigen und Zeichen des eigenen Körpers und Geistes, die uns zu erinnern versuchen: Du brauchst eine Pause. Dein Tank ist bald leer. Wo ist der Ort oder der Moment, an dem du auftanken kannst? Die Wochen vor Ostern, die wir Passions- oder Fastenzeit nennen, laden dazu ein, dieser Erinnerung nachzuspüren. Im Psalm 25 ist jemand auf der Suche nach seinem Weg mit Gott. Er bittet…
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Zur Advents-und Weihnachtszeit 2019/20

Liebe Schwestern und Brüder, das Jahr neigt sich langsam dem Ende entgegen. Wir erinnern uns an die Verstorbenen dieses Jahres, wir bereiten uns vor auf Weihnachten und den Jahreswechsel, wir planen das neue Jahr in unseren Gemeinden. Wie wird es werden? Besonders die Advents- und Weihnachtszeit ist mit manchen Erwartungen immer wieder verbunden – es soll alles anders sein als sonst, in der Familie, im Zusammenleben, in uns selbst, in unserer Beziehung zu Gott. Harmonischer soll es sein oder klarer oder jedenfalls besser. Eine Erwartung, die nur enttäuscht werden kann, weil sie auf einer Täuschung beruht. Schon Maria und Joseph hatten keine Zeit, sich vorzubereiten. Es traf sie mitten im Alltag – die Forderungen des Herrschers mussten erfüllt werden, die Reise mit einer Schwangeren organisiert werden, die alltäglichen Mühen von Missgunst, Angst vor Fremden mussten ertragen, die Suche nach einem kleinen Platz als Rückzugsort musste erledigt werden. Alles irgendwie spontan, kurzfristig, improvisiert. Aber intensiv! Gott ist zu ihnen gekommen. Sie hatten nicht damit gerechnet. Aber ihnen wird hell und klar: Ehre sei Gott! Friede auf Erden! Mitten im Leben. Das…
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Zur Sommer- und Erntedankzeit 2019

Liebe Schwestern und Brüder, wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, wird auch ernten im Segen (2. Korinther 9,6). Da ist wohl was dran, oder? Wer VIEL ernten will, muss gut säen, muss etwas weg- oder verlorengeben, um zu gewinnen. Säen und Ernten, Geben und Nehmen. Der Kreislauf des Lebens ist das.   Und WO ernten wir? Im eigenen Garten, auf dem Boden, den wir kennen, nicht irgendwo anders. Und: Man erntet, WAS man sät. Aus Weizenkörner erwachsen Weizenähren. Aus Lilienzwiebeln werden Lilienblüten. Wir ernten, WIE VIEL und WO und WAS wir säen, oder? Zumindest wenn die Samen mit rechtem Maß auf den geeigneten Boden kommen und dann alles gedeiht. Aber es gedeiht ja nicht immer nach Plan. Manchmal kommen Vögel und picken die Saat weg. Manchmal bleibt der Regen aus oder die Sonne scheint zu stark oder umgekehrt. Manchmal gedeiht das Leben nicht nach Plan. Und die Saat der Nachbarn geht in deinem Garten auf. Und deine trägt bei unbekannten Menschen Früchte. Und du erntest, was andere gesät haben. Sommer und…
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